Beifuss

Das grüne wilde Wunder im August / September                                                               

Wildpflanzen sind die Ahnen aller Kulturpflanzen. Sie begleiten uns seit Urzeiten nahezu unverändert mit ihrer außerordentlich großen Vielfalt, Fülle und Schönheit.
Sie sind in ihrer Beschaffenheit und dem Zusammenspiel von inneren Komponenten und kosmischen Einflüssen in Hinsicht auf den ganzen Menschen so weise und synergetisch angelegt, dass es, so glaube ich, kein besseres Konzept für eine ganzheitliche Ernährung gibt. Sie stellen uns Nahrung und Medizin für Körper, Seele und Geist zur Verfügung.
Ich schätze sie sehr, fühle mich Ihnen verbunden und empfinde große Dankbarkeit für ihr hier Sein.
 

Beifuß Artemisia vulgaris L.

 

“Gedenke du, Beifuss, was Du versprachst,

Was du anordnetest in feierlicher Kundgebung!

Una heisst du, älteste Wurze!

Du überwindest Dreie und Dreissige

Du überwindest Eiter und Anfälle

Du überwindest die Leidkraft, die über das Land fährt.“

                                    aus einem angelsächsischen Neunkräutersegen im 11. Jahrhundert niedergeschrieben

 

Botanisches und Aussehen

 

Der Beifuß gehört zur großen Familie der Korbblütengewächse. Er ist eine ausdauernde Pflanze, kann bis zu 1,80 m groß werden und hat einen harten Stängel mit vielen Seitenausläufern. Die rispig verästelten, unten verholzten und oft bräunlich oder rötlich verfärbten Stängel tragen fiederteilige lanzettliche Blätter. Diese sind auf der Oberseite kahl, dunkelgrün und glatt; auf der Unterseite aber behaart und dadurch mit einem weißfilzigem Schimmer überzogen. Die sehr kleinen Blüten sind beige oder rötlich und bilden kleine Ähren, die jeweils an den Enden der stark verzeigten Pflanze wachsen. Gerbstoffe, Bitterstoffe, ätherische Öle mit Cineol und Thujon sind einige seiner wertvollen Inhaltsstoffe.

Bei uns blüht er von Juli bis September und in dieser Zeit sollte auch geerntet werden. Am Besten ist es, den oberen Teil der voll erblühten Pflanze zu ernten und diese in kleinen Bündeln kopfüber zu trocknen. Wenn sie vollständig getrocknet ist, lassen sich die kleinen Zweige mit den Blütenähren sehr schön abschneiden.

 

Geschichte und Geschichten zum Beifuß

 

Seit einiger Zeit möchte ich zum Beifuß immer sie sagen; da passt Artemisia einfach besser.

Artemisia vulgaris hat einen Bruder und beide sind sich in der äußeren Erscheinung ähnlich. Es ist der Wermut Artemisia absinthum L., er ist allerdings viel bitterer, und ihn kann ich sehr wohl als einen „er“ ansprechen.

Beifußarten wachsen über den gesamten Erdball verteilt und werden seit Jahrtausenden von den Menschen für heilerische, rituelle und reinigende Zwecke verwendet. Unsere Vorfahren verehrten sie als die „Mutter aller Pflanzen“. Sie wurde und wird mit vielen Namen, die auf ihre wunderbaren Kräfte hinweisen, angesprochen.

Buckele, Gänsekraut, Jungfernkraut, Machtwurz, Mugwurz, Sonnwendgürtel, Thorwurz sind einige davon.

„Frau Holle als Imagination der Großen Göttin, die bei den Engländern als Mother Goose (Gänsemutter) bekannt war, ist auch die Herrin des schamanistischen Flugs. Ihre Gans ist ein uraltes Symbol für die Reise in die Anderswelt, wo der Schamane oder später die zur Hexe umgedeutete „fliegende Frau“ den Ahnengeistern, den Tiergöttern und den Pflanzengeistern begegnet. Die germanischen und sibirischen Schamanen opferten zu Winteranfang, wenn die Pflanzen und Naturgeister sich ins Erdinnere zurückziehen, eine Gans. Der Vogel wurde geweiht, indem sie ihn mit dem heiligen Beifuss (Artemisia) räucherten oder einrieben. Aus dem Gänsefett kochten sie dann unter Beigabe von giftigen Kräutern (Tollkirsche, Bilsenkraut, Schierling usw.) eine Flugsalbe, die die Reise zu den Geistern und Göttern ermöglichte.„

aus „Pflanzendevas – Die Göttin und ihre Pflanzenengel“ von Wolf-Dieter Storl

 

Dieser Glaube hat sich, bis heute zumindest in Teilen erhalten. Zu Weihnachten wird in vielen Familien die Gans mit Beifuß zubereitet und gegessen. Und was mich sehr freut: Artemisia hat es geschafft, in jedem Supermarkt angeboten zu werden.

Eine andere Eigenschaft wird deutlich, wenn wir uns den lateinischen Namen anschauen. Artemis, die Große Muttergöttin der Griechen und Perser, wurde um Hilfe bei Geburten angerufen. Artemisia ist das Frauenkraut par excellence. Die Bezeichnung Beifuß gibt Aufschluss über eine weitere Qualität, dieser Pflanze als Linderung für müde Füße und Beine.

 

Wirkungen und Anwendungen

 

Wie oben angedeutet, wirkt er lindernd bei müden Beinen und Füßen. Das frische oder getrocknete Kraut ( 3 Handvoll ) wird hierzu mit kaltem Wasser angesetzt und im geschlossenen Topf circa 7 Minuten geköchelt, dann durch ein Sieb in eine Schüssel gießen und mit der entsprechenden Menge warmen Wasser aufgießen und nun die Füße baden. Das Fußbad hilft bei kalten, ermüdeten Füßen und Kopfschmerzen, die durch Verkrampfungen entstanden sind.

Beifuß wirkt beruhigend und entspannend auf das Zentralnervensystem. Als Kissenfüllung (Blätter und Blüten) für das Kopfkissen in der Nacht und als als Tee vor dem Schlafengehen getrunken, sorgt Artemisia für Entkrampfung und Entspannung.

Besonders durch die erhitzenden und anregenden Eigenschaften wirkt sie menstruationsfördernd und natürlich bei Menstruationskrämpfen und sollte aus diesem Grund nicht in der Schwangerschaft verwendet werden. Auch bei Eierstock- und Blasenentzündungen empfiehlt Susanne Fischer-Rizzi Beifuß-Fußbäder.

Die Pflanze hilft bei Beschwerden in den Wechseljahren.

Sie kann noch mehr. Sie fördert die Bildung von Verdauungssäften und kurbelt damit ordentlich das Verdauungsfeuer an. Dabei wird neben Magen und Darm auch die Bauchspeicheldrüse in ihrer Arbeit kräftig unterstützt. Das ist wohl der bekannte Grund, warum der Gänsebraten mit Beifuß gewürzt wird.

Ich habe für ein großes Geburtstagsbüffet im Winter knusprige Bratlinge mit Beifuß gewürzt, sehr deftig und lecker, so der Kommentar der Gäste.