Wilde Karde Wurzel


Das grüne wilde Wunder im Oktober                                                                   

Wildpflanzen sind die Ahnen aller Kulturpflanzen. Sie begleiten uns seit Urzeiten nahezu unverändert mit ihrer außerordentlich großen Vielfalt, Fülle und Schönheit.
Sie sind in ihrer Beschaffenheit und dem Zusammenspiel von inneren Komponenten und kosmischen Einflüssen in Hinsicht auf den ganzen Menschen so weise und synergetisch angelegt, dass es, so glaube ich, kein besseres Konzept für eine ganzheitliche Ernährung gibt. Sie stellen uns Nahrung und Medizin für Körper, Seele und Geist zur Verfügung.
Ich schätze sie sehr, fühle mich Ihnen verbunden und empfinde große Dankbarkeit für ihr hier Sein.
 

Die Wilde Karde Dipsacus sylvestris

 

Es war Liebe auf den ersten Blick.

Aufgefallen ist mir die leuchtend grüne Pflanze das erste Mal vor 16 Jahren.

Eines Tages im Juni schaute ich aus dem Fenster und sah sie.

Die Ausstrahlung war so groß, dass ich sofort zu ihr musste, um ihr nahe zu sein und sie unmittelbar spüren zu können.

Starke Anziehungskraft übt sie seit dem auf mich aus. Mehrere Jahre habe ich sie bewundert, mich von ihr wieder und wieder berühren lassen, ohne sie anzufassen, oder von ihr zu kosten. In meinem Garten gedeiht sie immer üppiger und einige erreichen inzwischen eine Höhe von mehr als zwei Metern. 

Ihr Grün strahlt voller Licht. Ihre Form ist kraftvoll und filigran zugleich. Wenn sie blüht, kann ich ihr schon gar nicht widerstehen. Sie schmückt sich mit zart lila Blüten, die formvollendet als Köpfe mit Strahlen die gesamte Pflanze krönen. Inzwischen ist die Verbindung inniger geworden. Im tiefen Herbst zum Neumond grabe ich ihre große weißgelbliche Wurzel aus und bereite daraus die Kardentinktur zu. Ihre Blätter trockne ich für Tee. Dafür nehme ich mir Zeit und bin mit der Karde im intensiven Kontakt. Schon wenn ich die Pflanzen aufsuche, nehme ich ihre Kraft wahr. Während ich die Wurzeln für die Tinktur anfasse und bearbeite, ahne ich den außerordentlich bitteren Geschmack im Mund. Dann koste ich ein kleines Stück und im ersten Moment ist es so bitter und grün, dass es knallt. Das kann man nicht hören, aber ich fühle es. Während ich weiter die Tinktur ansetze, esse ich mehrmals winzige Wurzelstücke.

 

Die Durstige mit dem Venusbecken

 

Die Wilde Karde ist eine zweijährige, aufrechte Pflanze, mit kantigem Stängel, der sich im oberen Bereich verzweigt. Aus einer Rosette, deren Blätter kurzgestielt sind, schießt im zweiten Jahr die Pflanze bis zu einer Höhe von zwei Metern. Sowohl der Stängel, als auch die Blätter sind mit Stacheln besetzt. Die gegenständigen Blätter sind am Grund zusammengewachsen und bilden ein kleines Becken, in dem sich Regenwasser und Tau sammelt. Ab Juli öffnen sich die zart violetten, röhrenförmigen Blüten der zylindrischen Blütenköpfe. Ringförmig beginnen sie in der Mitte, teilen sich und verblühen dann nach oben und unten.

Dipsacus kommt aus dem Altgriechischen; dipsa das heißt Durst und bezieht sich auf die zusammen gewachsenen Blätter. Vögel und Insekten trinken mit Vorliebe aus den Blätterschalen, die auch Venusbecken genannt werden. Im Mittelalter wurde dieses Wasser für kosmetische Zwecke, also als Schönheitswasser verwendet.

Die Samen werden im Winter gern von den Vögeln gefressen. Die Wurzel ist eine Delikatesse für Wühlmäuse.

Wie ihr deutscher Name es schon verrät, gehört sie zu den Kardengewächsen. Zu dieser Pflanzenfamilie gehören auch die Skabiosen, der Teufelsabbiss und die Witwenblumen. Alle Pflanzen werden als Mittel mit reinigender Wirkung in der Naturheilkunde eingesetzt.

 

Die Heilende mit reinigender Wirkung

 

Die Karde enthält Bitter- und Gerbstoffe, Glykoside (Scabiosid), Inulin, Kalisalze, organische Säuren, Saponine und Tannin. Durch ihre wertvollen reichhaltigen Inhaltsstoffe wirkt sie antibakteriell, blutreinigend, entgiftend, galle-, harn- und schweißtreibend. In der Naturheilkunde wurde und wird sie zur Stärkung des Immunsystems, bei Magen- und Gallenschwäche, Arthritis, Gicht, Rheuma, Hautkrankheiten und Kopfschmerzen angewendet.

In der heutigen chinesischen Kräuterheilkunde wird die Wurzel der chinesischen Karde zur Stärkung bei Nierenessenzmangel und Unterstützung bei Leber-Blut-Schwäche verordnet.

In jüngster Zeit wird die Wilde Karde dank Wolf-Dieter Storl als Alternative für die Behandlung von Borreliose genannt. In seinem Buch „Borreliose natürlich heilen“ beschreibt Herr Storl ausführlich und selbst erprobt die Wirkung dieser wunderbaren Pflanze, die hier selbstverständlich ganzheitlich, sprich mit verschiedenen anderen therapeutischen Maßnahmen zum Einsatz kommt.

 

Rezept zur Herstellung der Kardentinktur

 

Im Herbst um den Neumond im Oktober und am frühen Morgen werden die Wurzeln der Karde ausgegraben. Danach die Wurzeln von der Erde befreien und abspülen bis sie vollständig sauber sind. Nun abtupfen und mit einem scharfen Messer zerkleinern (auf keinen Fall die Wurzelrinde entfernen) und ein Glas mit Schraubverschluss lose füllen. Mit circa 40 % igem Schnaps, ich nehme BIO-Korn die zerkleinerten Wurzeln übergießen, so dass alles gut bedeckt, bzw. das Glas bis kurz unterm Rand gefüllt ist und mit dem Deckel verschließen. Diesen Ansatz an einen Ort mit Zimmertemperatur stellen und 6 Wochen ziehen lassen, zwischendurch kann es auch immer mal wieder geschüttelt werden. Ich stelle die Gläser auf ein Fensterbrett, da haben sie täglich Sonnenlicht. Dann durch ein Tuch abseien und diese Tinktur in dunkle Gläser füllen.

Ich verwende die Kardentinktur zur Reinigung über einen Zeitraum von 4 Wochen morgens, mittags und abends vor dem Essen 20 Tropfen. Als ergänzendes Mittel neben meiner Frühlingskur mit Wildpflanzen siehe www.eleonore-gliewe.de wird der blutreinigende Effekt noch verstärkt. Durch den großen Anteil an Bitterstoffen eignet sich diese Tinktur auch hervorragend als „Aufräumer“ nach einem zu fetten Essen.

 

Quellen:

Meine Erfahrungen

Wolf-Dieter Storl „Borreliose natürlich heilen“ AT- Verlag 2007