Hagebutte

Das Grüne Wilde Wunder im November / Dezember

Wildpflanzen sind die Ahnen aller Kulturpflanzen. Sie begleiten uns seit
Urzeiten nahezu unverändert mit ihrer außerordentlich großen Vielfalt,
Fülle und Schönheit.
Sie sind in ihrer Beschaffenheit und dem Zusammenspiel von inneren
Komponenten und kosmischen Einflüssen in Hinsicht auf den ganzen
Menschen so weise und synergetisch angelegt, dass es, so glaube ich,
kein besseres Konzept für eine ganzheitliche Ernährung gibt.
Sie stellen uns Nahrung und Medizin für Körper, Seele und Geist zur Verfügung.
Ich schätze sie sehr, fühle mich Ihnen verbunden und empfinde große
Dankbarkeit für ihr hier Sein.

 

Die Hagebutte Cynosbati fructus der Rosa canina
Ein Rotes Wunder
 

Als Kind waren für mich die leuchtend roten Früchte der Inbegriff von
Schätzen. Großzügig in ihrer Anzahl schmücken sie im Herbst und
Winter den Heckenrosenstrauch. Üppig ja purpur ist ihr Rot, das ab
einem bestimmten Reifegrad in ein tiefes Orange übergeht.
Vollmundig, etwas erdig und fruchtig säuerlich ist ihr aromatischer
Geschmack. Mir schmecken sie am Besten reif und frisch vom
Strauch gepflückt. Als kleines Mädchen waren sie mir kostbarer
als Geld und meine damalig Vorstellung, sie wären viel besser
als Zahlungsmittel geeignet, als die metallisch kalten Geldstücke,
blitzt bis heute immer wieder auf.
Jedes Mal, wenn ich Hagebutten sammle, fühle ich mich beschenkt,
ja belohnt. Schon allein der Anblick von Sträuchern, die sich reich
mit Hagebutten geschmückt haben, löst Freude in mir aus.
Der Name der Hundsrose leitet sich aus ihrer früheren
Verwendung ab. Bissverletzungen durch tollwütige Hunde wurden
mit dem Wurzelsaft der Rosa canina behandelt.
Sie wird auch Hagrose, Hiefenstrauch oder wilde Heiderose genant.
Sie wächst gern an Waldrändern, in Gebüschen und wie ihr
zweiter Name schon sagt, bildet sie zusammen mit Holunder,
Schlehe und Weißdorn dichte Hecken.
Die Bezeichnung für die Hagebutte hat ihren Ursprung in dem
mittelhochdeutschen Wort „Hagen“ das bedeutet Dornstrauch.
Je nach Landstrich nennt man die Früchte auch Butzen,
Hainbutte oder Heinzerlein.
Wilde Rosen gibt es schon viel länger, als uns Menschen.
Im Pariser Rosenmuseum bezeugen Funde von versteinerten
Pflanzenteilen, dass Rosen schon vor 25 bis 30 Millionen
Jahren existierten. Ein noch lebendes imposantes Exemplar
Rosa canina wächst an der Außenwand der Grabkapelle
des Hildesheimer Doms. Er ist 13 m hoch und wird bereits
in einer Urkunde aus dem 11. Jahrhundert erwähnt.
Die Hagebutte ist schön anzusehen, hat ein einzigartiges Aroma und
ist außerdem mit wertvollen Ingredienzien üppig gefüllt.
Dieses kleine Kraftpaket enthält Vitamine, Mineralien, ätherische Öle,
Eisen, Karotin, Pektin und Apfel-, Gerb- und Gallensäuren.
Die Hagebutte zeichnet sich durch einen besonders hohen Gehalt an
Vitamin C (bis zu 1.500 mg in 100 g frischer Frucht) aus.
Sie enthält Vitamin A, das unsere Sehfähigkeit, Haar-, Haut-,
Knochenwachstum und Zähne positiv beeinflusst.
Außerdem Vitamin B1, das besonders unseren Nerven zugute kommt.
Weiterhin Vitamin E, das als Antioxidans den Organismus vor freien Radikalen schützt
Ihr hoher Mineralstoffgehalt setzt sich zusammen aus 50 % Kalium
und 50 % Eisen, Magnesium, Natrium und Schwefel, die überwiegend
in Form von Salzen mit basischem Charakter vorkommen.
Das sind alles wichtige Inhaltsstoffe, die verpackt in der Hagebutte sehr
wohlschmeckend unseren Speiseplan bereichern können.
Außerdem machen all diese „inneren“ Werte die kleine kostbare Frucht,
zu einem Mittel, das in der traditionellen Volksheilkunde seit
Jahrhunderten für etliche Beschwerden eingesetzt wurde und wird.
Sie hilft bei Nierenerkrankungen, Infektionen, Fieber, Stein- und
Grießbildung und Wechseljahresbeschwerden.

Tee
Hagebutten sammeln, sie sind ab Ende September reif, im Ganzen
trocknen, hierfür eignet sich besonders ein Dörrautomat, wenn sie
richtig trocken sind, das kann man daran erkennen, dass sie steinhart
sind, am Besten in dunkle Gläser füllen, für ½ Liter Tee 20 Butten
im Mörser zerstoßen und in kaltem Wasser 5 Stunden ziehen lassen,
dann langsam zum Kochen bringen und 5 Minuten kochen,
abseihen und mit Honig süßen, der Tee schmeckt auch, wenn
die Butten mit Apfelschalen und Holunderbeeren gemischt angesetzt werden.

Hagebuttenlikör
Hagebutten sammeln, die dürfen schon etwas weicher sein,
je reifer sie sind, desto weicher werden sie und außerdem
werden sie weich, wenn sie Frost bekommen haben,
sie sind dann nicht mehr so leicht zu ernten, mit einer
Nagelschere geht es aber ganz gut und es lohnt sich,
da dieser Likör sehr lecker ist, Butten in ein Glas füllen,
ungefähr 1/3 des Gesamtvolumens, kann auch mehr sein
und dann mit gutem Alkohol z.B. Bio-Korn auffüllen.
An einem warmen Ort, z.B. in der Küche auf dem Schrank,
ziehen lassen, immer wieder das Glas schütteln, am Besten
1 Jahr lang, dann den Ansatz abseihen und eventuell
etwas Rohrohrzucker dazufügen, muss aber nicht sein,
da dieser Likör jetzt noch mal reifen darf und je länger er reift,
umso süßer wird er und natürlich auch leckerer, eine weitere
Variante ist, eine Prise Bourbounvanillie  hinzuzufügen.
Die Kerne der Hagebutte haben ein ganz sanftes Vanillie-Aroma
und ein wenig kann man das noch heben, wie gesagt,
je länger er reift, desto köstlicher wird sein Geschmack
und auch die Konsistenz verändert sich in Richtung Sherry, etwas ölig.

:Hagebuttenmark
Hagebutten sammeln, wie bei Hagebuttenlikör, in einem Topf knapp
mit Wasser bedeckt köcheln lassen, je reifer sie sind, desto kürzer
ist die Garzeit, dann das Ganze mit einem Pürierstab pürieren und
durch ein Sieb rühren, in dem die Kerne und Blüten übrigbleiben.
Dieses Mark mit Rohrohrzucker und Agar-Agar zu einem Gelee
kochen und heiß in Twist-off Gläser füllen, schmeckt herrlich
aufs Butterbrot, heiß über Vanillie-Eis und als raffinierte Zugabe für
eine fruchtige Tomatensauce, die auch Kindern schmeckt.